Kaum jemand, der in den letzten fünf Jahren an einer Serie oder einem Kinofilm von Anya Taylor-Joy vorbeigekommen ist. Und trotzdem stolpere ich immer wieder über dieselbe Frage in Kommentaren oder im Bekanntenkreis: „Welche Filme von Anya Taylor-Joy muss ich eigentlich gesehen haben?" Ehrlich gesagt habe ich lange selbst keine gute Antwort gehabt. Ich kannte sie aus Das Damengambit wie alle anderen, danach war sie plötzlich überall, und irgendwann saß ich mit einem Zettel da und versuchte, mir die Filmografie zu sortieren. Das Ergebnis ist dieser Überblick – nicht einfach eine Liste von Titeln, sondern der Versuch zu erklären, warum ihre Karriere so aussieht, wie sie aussieht.

Wichtige Erkenntnisse

  • Ihr Durchbruch war The Witch (2015), ein Horrorfilm mit winzigem Budget, der ihre Karriere neu sortierte.
  • Für Das Damengambit gewann sie einen Golden Globe – das war der Moment, in dem aus einer Nischen-Schauspielerin ein Weltstar wurde.
  • Sie ist argentinisch-britisch-amerikanisch, geboren am 16. April 1996 in Miami, aufgewachsen in Buenos Aires.
  • Ihre Rollenwahl pendelt zwischen Autorenkino (Eggers, Shyamalan) und Blockbuster (Miller, Villeneuve) – und sie wechselt dabei bewusst.
  • In Dune: Part Two taucht sie faktisch nicht auf – eine Rolle, die der Schnitt nicht überlebte.
  • Neben Kinofilmen ist sie in Serien präsent: Peaky Blinders, The Miniaturist und die geplante Serie Lucky.

Filme von Anya Taylor-Joy: der rote Faden hinter der Filmografie

Wer nur die Titellisten durchklickt, sieht einen wilden Haufen. Horror, dann ein Schachdrama, dann ein Mad-Max-Spin-off, dazwischen Nintendo-Synchronstimme und ein Kochfilm. Und dann? Ein Science-Fiction-Thriller an der Seite von Miles Teller.

Ehrlich gesagt habe ich erst beim zweiten Durchgang gemerkt, dass da System drinsteckt. Sie wechselt nicht zufällig zwischen Genres, sondern nach Regisseuren. Und die Namen, mit denen sie dreht, gehören zu den eigenwilligsten im aktuellen Kino.

Warum Robert Eggers immer wieder auftaucht

Ich bestelle bei einer Schauspielerin nie nach Studio, sondern nach dem, der die Kamera führt. Bei Taylor-Joy lohnt das. Sie hat mit Robert Eggers angefangen (The Witch, 2015), und diese Zusammenarbeit ist der eigentliche Startpunkt, den man kennen muss. Was mich daran bis heute fasziniert: Diese Frau spielte damals noch fast unbekannt, mit den finsteren, langsamen Dialogen des Puritaner-Englisch, als wäre sie schon zehn Jahre im Arthouse-Business.

Danach kam The Northman (2022), wieder Eggers, wieder ein brodelnder, archaischer Stoff. Zwischendurch hat sie auch mit M. Night Shyamalan gedreht (Split, Glass, Old) – also durchaus Regisseure mit sehr eigenem, sehr polarisierendem Ton. Das ist keine Karriereplanung mit Excel-Tabelle. Das ist eine Schauspielerin, die vor allem eins will: neben Regisseuren mit klarer Handschrift nicht unterzugehen.

Der Sprung zu den Blockbustern

Und dann kam George Miller. Furiosa: A Mad Max Saga (2024) ist für mich der entscheidende Wendepunkt ihrer Filmografie – nicht, weil der Film überall gefeiert wurde (er lief an den Kassen schwächer als erwartet, das lässt sich ruhig sagen), sondern weil sie hier zum ersten Mal eine Rolle trug, die jemand anderes zuvor ikonisch gespielt hatte. Charlize Theron hinterlässt ein großes Erbe. Taylor-Joy füllt es mit einer Version, die fast stumm ist – sehr viel Körper, sehr wenig Dialog.

Das Gegenstück im selben Jahr: Dune: Part Two. Hier ein wichtiger Punkt, der in fast jeder Liste unter den Tisch fällt. Anya Taylor-Joy taucht in der finalen Kinofassung praktisch nicht auf. Sie hatte eine Rolle als Prinzessin Irulan – in der einen Ecke wird sie manchmal noch als Mitwirkende gelistet, in der eigentlichen Schnittfassung ist davon kaum etwas übrig. Dass sie dennoch als Teil dieser Produktion gilt, hat weniger mit dem Kinofilm zu tun als mit der Tatsache, dass Denis Villeneuves Dune-Welt offensichtlich weitergeht. Ich habe das mehrfach nachgeblättert, weil ich es selbst kaum glauben wollte.

Die Filme und Serien im Überblick

Hier die Titel, die tatsächlich zählen – ohne Vollständigkeitsanspruch, aber mit den Rollen, bei denen ich eine Meinung habe. Manche davon sind klein, manche groß. Eins vorweg: The Witch und Das Damengambit sind für mich Pflicht, alles andere ist Kür.

Titel Jahr Format Kurzeinschätzung
The Witch 2015 Film Der Durchbruch – düster, langsam, sehenswert
Split 2016 Film Shyamalan-Comeback, sie als letzte Überlebende
Das Damengambit 2020 Miniserie Golden-Globe-Rolle, absolute Empfehlung
The Northman 2022 Film Rachedrama, brutal und bildgewaltig
The Menu 2022 Film Satire mit Biss – sie hält gegen Ralph Fiennes
Furiosa 2024 Film Blockbuster-Test, körperlich stark
The Gorge 2025 Film Action-Thriller mit Miles Teller, Streaming

In welchen Serien hat Anya Taylor-Joy mitgespielt?

Das Damengambit (2020) ist die Antwort, die fast jeder erwartet – und sie stimmt. Die Netflix-Miniserie über eine Schachspielerin mit Suchtproblem brachte ihr den Golden Globe, und ich behaupte: Es war die Rolle, in der zum ersten Mal sichtbar wurde, dass sie eine ganze Serie allein tragen kann. Sieben Folgen, keine Sekunde davon zu lang.

In welchen Serien hat Anya Taylor-Joy mitgespielt?

Davor war sie in Peaky Blinders als Gina Gray zu sehen – Staffel 5 und 6. Ehrlich gesagt eine Rolle, die ich beim ersten Ansehen deutlich unterschätzt habe. Zwischen Tommy Shelbys Männern wirkt Gina zunächst wie ein Fremdkörper, und genau das ist der Punkt: Sie bringt eine amerikanische, kalte Präzision in die staubige Birminghamer Gangsterwelt. Wenn Sie erst mit Staffel 5 einsteigen, verpassen Sie zwar viel Handlung, aber ihre Figur funktioniert trotzdem.

Dazu kommt The Miniaturist (2017), eine BBC-Adaption, die in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts spielt. Optisch wunderschön, erzählerisch eher geduldig. Nicht der Titel, mit dem ich jemanden überzeugen würde, aber ein interessantes Zwischenstück.

Was plant sie serientechnisch?

Da ist zum einen Lucky, eine Miniserie, in der sie die Hauptrolle spielt – ein Stoff, der immer wieder in ihrer Filmografie auftaucht und an dem sie laut den verfügbaren Angaben beteiligt ist. Zum anderen wurde eine Verfilmung von How To Kill Your Family angekündigt, in der sie eine Rolle übernehmen soll. Solche Ankündigungen wandern in der Branche gern mal nach hinten oder verschwinden ganz. Ich bin da vorsichtig geworden – wer schon einmal geglaubt hat, ein Projekt mit bekannten Namen komme sicher, weiß, wovon ich rede.

Welche Nationalität hat Anya Taylor-Joy?

Sie besitzt drei Staatsbürgerschaften: die amerikanische, die britische und die argentinische. Der Grund dafür ist ungewöhnlich und erklärt einen Großteil ihres Zugangs zu Rollen.

  • Geboren in Miami am 16. April 1996 – dadurch automatisch US-Amerikanerin.
  • Aufgewachsen in Buenos Aires, wo Spanisch ihre Muttersprache wurde.
  • Vater mit schottisch-argentinischer Herkunft (ehemaliger Banker), Mutter mit spanisch-britischer Herkunft (Psychologin).
  • Mit sechs Jahren zog die Familie nach London, als die politische und wirtschaftliche Lage in Argentinien zu unsicher wurde.

Das ist der Punkt, an dem ich stutze. Diese Frau spricht drei Sprachen fließend und hat in drei Ländern gelebt, bevor sie Teenager war. Für Rollen in Hollywood ist das ein Vorteil, den man nicht kaufen kann. Für ihr Privatleben war es, wie sie selbst in Interviews beschreibt, weniger traumhaft: In London weigerte sie sich zwei Jahre lang, Englisch zu lernen, und wurde in der Schule und online wegen ihres Aussehens gemobbt. Sie habe sich zeitweise nicht mehr im Spiegel ansehen wollen. Dass sie heute weltweit als eine der auffälligsten Gesichter im Kino gilt, ist ein Detail, das man nicht ausblenden sollte.

Wie viel wiegt Anya Taylor-Joy?

Hier ehrlich zu sein, ist mir lieber, als eine Zahl zu raten: Ich kenne ihr genaues Gewicht nicht, und ich würde es auch nicht aus dem Hut zitieren wollen. Was sich sagen lässt, ohne zu spekulieren, ist, dass sie 1,70 Meter groß ist – ein Wert, der in mehreren Profilangaben übereinstimmend auftaucht. Alles darüber hinaus schwankt je nach Quelle und je nachdem, für welche Rolle sie sich gerade vorbereitet hat. Für Furiosa hat sie – wie man in Interviews nachlesen kann – körperlich massiv zugelegt, für andere Rollen wieder abgenommen. Wer eine konkrete Kilo-Zahl braucht, wird also im Netz viele Zahlen finden und sich aussuchen, welche ihm gefällt.

Wie viel wiegt Anya Taylor-Joy?

Wer ist der Ehemann von Anya Taylor-Joy?

Sie ist mit dem Musiker Malcolm McRae verheiratet. Die beiden haben 2021 öffentlich gemacht, dass sie zusammen sind, und im Jahr darauf geheiratet – in einer kleinen, privaten Zeremonie, über die sie selbst nur sehr wenig preisgibt. McRae ist als Musiker tätig und tritt selbst kaum in der Öffentlichkeit in Erscheinung.

Was ich an dieser Ehe bemerkenswert finde: Taylor-Joy redet in Interviews fast nie über ihr Privatleben, und wenn, dann mit einer Mauer aus höflichen Andeutungen. Bei all den Schlagzeilen, die über sie geschrieben werden, ist das eine bewusste Entscheidung. Sie macht ihre Beziehung nicht zur Story. Ich habe großen Respekt davor – in einer Branche, in der jeder zweite Star sein Privatleben als Marketinginstrument nutzt, ist das eine Ausnahme.

Was als Nächstes kommt

Angekündigt sind einige Projekte, die man im Auge behalten kann. Eine Joni-Mitchell-Biografie war eine Zeitlang im Gespräch, in der sie die Sängerin verkörpern sollte – ob und wann das tatsächlich Realität wird, ist offen. Dazu kursiert immer wieder ein Dune-Zukunftsszenario, in dem sie als Prinzessin Irulan eine größere Rolle spielen könnte. Und dann ist da die Serie Lucky, die in ihrer Filmografie bereits angelegt ist.

Was als Nächstes kommt

Eines bleibt dabei jedoch unklar, und ich würde mich nicht darauf festnageln lassen: Filmankündigungen sind Schall und Rauch. Ich habe in den letzten Jahren zu viele Projekte gesehen, die angekündigt und dann nie gedreht wurden, um einer Meldung ohne Drehstart blind zu vertrauen.

Was ihre Filmografie über das moderne Kino verrät

Mir ist beim Sortieren dieser Titel etwas aufgefallen, das über eine einzelne Schauspielerin hinausgeht. Taylor-Joy macht keine Karriere wie die Generation vor ihr. Früher galt: Entweder Arthouse oder Blockbuster. Man wählte eine Spur und blieb eine Zeit lang dabei. Bei ihr ist das anders – und das sagt mehr über das Kino als über sie.

Sie geht von Eggers zu Shyamalan zu Miller zu Villeneuve, in wenigen Jahren. Sie arbeitet für Kinoleinwand und Streaming gleichzeitig, sie synchronisiert einen Animationsfilm, sie spielt in Miniserien. Das ist kein Karrierechaos, das ist die Antwort auf eine Branche, in der ein einzelnes Genre niemanden mehr trägt. Wer in dieser Landschaft bestehen will, muss flexibel sein, und zwar schneller als früher.

Ob das am Ende zu einer großen, dauerhaften Karriere führt oder zu einem schillernden Zwischenstand – das wird man erst in zehn Jahren wissen. Ich weiß nur: Wenn mich heute jemand fragt, welche Filme von Anya Taylor-Joy man gesehen haben sollte, antworte ich nicht mit einer Liste. Ich antworte mit einer Frage: Wollen Sie sehen, wie eine Schauspielerin lernt, sich selbst zu tragen? Dann fangen Sie mit Das Damengambit an und arbeiten Sie sich rückwärts. Der Rest ergibt sich dann von allein.